H. B.
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Die Wallfahrt zum Dittwarer Kreuzhölzle:
Die Wallfahrt nahm ihren Ursprung in einem Winter in der harten Notzeit nach dem Dreißigjährigen Krieg
(1618-48):
Anfang der Jahres 1669 findet das taubstumme, 14jährige Dittwarer Mädchen Anna Maria Krank beim
Brennholz-Sammeln zusammen mit ihrem Bruder 2 kleine Heiligenfiguren (Maria und Hl. Johannes) in der
Höhlung eines alten Eichbaumes. Die beiden Kinder nehmen die Figuren mit nach Hause. Kurz darauf wird
das jüngste Kind der Familie schwer krank, worauf der Vater Johann Krank das Gelübde ablegt, die beiden
Figuren renovieren zu lassen, sofern sein Kind wieder gesundet. Als dies tatsächlich geschieht, erfüllt
Johann Krank sein Gelübde. Am Lichtmesstag 1670 glaubt Johann Krank beim Beten am Altar die göttliche
Aufforderung zu erhalten, die beiden Figuren wieder an ihren Fundort (also in die Höhlung der alten Eiche)
zu bringen, was er dann auch macht. Der Dittwarer Hans Weberverehrt die beiden Statuen besonders eifrig
und beginnt, die Dittwarer zum Besuch der Eiche mit den beiden Figuren zu animieren.
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In den Aufzeichnungen des Marbacher Bürgermeisters und des Notgars Faulhaber aus Tauberbischofsheim
sind bereits aus dem Jahre 1670 die ersten Berichte vonWunderheilungen beim Eichbaum im Kreuzhölzle zu
finden. Die Kirche tut dies zunächst als Aberglaube ab und möchte die Eiche fällen lassen. Angeblich
zerbrachen beim Versuch aber alle Äxte am Eichbaum, was die Dittwarer noch zahlreicher zum Wunderort
pilgern ließ, woraufhin auch die Kirche den Ort als Wallfahrtsort anerkannte. Daraufhin wird der
Wallfahrtsort schnell immer populärer und es hängen alsbald die ersten Zeugnisse von Wunderheilungen
(Krücken, Wachsbilder, Dankschriften) an den Ästen des Baumes.
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Im Jahre 1683 wird dann die erste Wallfahrtskapelle als Stiftung des aus Dittwar gebürtigen Probstes von
Niederzell bei Würzburg erbaut. Der Altar der Kapelle wurde dabei angeblich an der Stelle errichtet, an
welcher sich ursprünglich die Eiche befand, die beiden Figuren werden auf dem Altar platziert. [Die Kapelle
wurde also nur 14 Jahre nach dem Auffinden der beiden Figuren im Loch des Eichbaums erbaut. Warum zu
diesem Zeitpunkt die Eiche dann also offenbar schon nicht mehr existierte, ist nicht überliefert. Wollte
jeder Pilger ein Stück Holz der Wundereiche mit nach Hause nehmen, bis keine Eiche mehr vorhanden
war?]
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1713 vergrößert Christoph Neubert, der erste Einsiedlermönch, der sich am Wallfahrtsort niedergelassen
hatte, die Kapelle und erbaut eine Behausung für sich und die künftigenWaldbrüder. 1718 erbittet
Christoph Neubert vom Kloster in Fulda Reliquien, incl. einer Kreuzreliquie. Es werden verschiedene Ablässe
gewährt. 1730 zieht mit Sebastian Zahner ein weiterer Eremit ein.
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Nun wird der Wallfahrtsort auch überregional immer populärer. Vermutlich mit Spenden der Pilger wird die
Kapelle mit einer Orgel ausgestattet und um eine Sakristei erweitert.
Im 18. Jahrhundert erlebt die Wallfahrt ihre Hochblüte, so dass im Jahr 1747 der Wallfahrtsort auch noch
um einen Kreuzweg vom Ort zur Kapelle erweitert wird. Die 12. Kreuzwegstation ist eine Kalvarienkapelle
mit Altar, die ca. 50m links neben der Hauptkapelle liegt. Stifter des ersten Kreuzwegs war der damalige
Spitalmeister von Bischofsheim, Christoph Bernhard Müller.
Bereits im Jahre 1728 hatte der Verwalter des Tauberbischofsheimer Hospitals, Johannes Carolus
Sauer, eine mächtige und sehr gut gearbeitete Figur des ruhenden Jesus gestiftet und am Weg zur Kapelle errichten lassen. Diese Figur wurde dann in den Kreuzweg integriert und findet sich noch heute ziemlich am
Anfang des Kreuzweges (bei der 4. Kreuzwegstation).
Als 1796 eine Viehseuche in der Gegend schlimm wütet, soll sogar nahezu die gesamte Bischofsheimer
Bevölkerung zur Kapelle gepilgert sein, viele den gesamten Kreuzweg auf den Knien hochrutschend.
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Zur Zeit der Aufklärung zu Beginn des 19. Jahrhunderts fordert der badische Großherzog ein Ende der
Wallfahrt, was aber von der Dittwarer Bevölkerung verhement verweigert wird.